Eine Anmerkung zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preis an Henryk M.Broder

Henryk M.Broder erhält den diesjährigen Ludwig-Börne-Preis. Der Juror des Preises, der Chefredakteur des Magazins „Focus“ Helmut Markwort, begründet seine Entscheidung für Broder mit dessem, in seinen Augen vorhandenen, freiem Geist, Leidenschaftlichkeit, Feurigkeit, Polemik, seiner Unabhängigkeit aber vor allem seiner Rücksichtslosigkeit in Sachen „political correctness“.

Helmut Markworts Begründung klingt ein bißchen wehleidig, sogar etwas neiderfüllt, kann sich Henryk M.Broder doch all das erlauben, was ein Markwort sich auch gerne erlauben möchte. Broder lässt die „Sau raus“, wann immer er will, wo immer er will, gegen wen auch immer, mit markigen Worten, aber macht ihn das, wie Helmut Markwort behauptet, zu einem Juda Löw Baruch, genannt Ludwig Börne, von heute?

Liest man das schöne Essay von Ludwig Börne mit dem Titel „Was mich betrifft“ aus dem Jahr 1819, wird man sehr schnell feststellen, dass zwischen einem Börne und einem Broder Welten liegen, denn Börne hatte u.a. die Gabe, sich selbst nicht allzu Ernst zu nehmen.

Der folgende Auszug aus dem o.g. Essay beweist dies in wunderbarer Weise:

„Ich und der Zensor der freien Stadt Frankfurt (nur des Wohllautes wegen nenne ich mich zuerst) sehen uns ganz verdutzt an und sind erstaunt, dass wir schon seit länger als sechs Wochen Ruhm haben und parallel der Unsterblichkeit zulaufen. Die Zeitungen aller Länder erwähnen unserer Namen. Es ist ganz vergebens, wenn wir sagen: wir sind gar nicht wert, dass man von uns spreche; Europa glaubt’s nicht und meint: hier wäre die Bescheidenheit doch wirklich ein wenig zu weit getrieben. Als Leuten von Ton bleibt uns nun nichts anderes übrig, als die neueste Torheit der Welt mitzumachen und an unserer eigenen Wichtigkeit so wenig als möglich zu zweifeln. Der Umstand, dass wir Feinde haben, beweist klar genug, dass wir Verdienste besitzen. Wir hoffen aber, Erstere mit Letzteren zu schlagen.“

(Quelle: http://www.ludwig-boerne.de/ueberetwas.html)

Börne amüsiert sich über die Ernsthaftigkeit mit der er wahr genommen wird, er ist in der Lage über sich selbst zu lachen, eine wunderbare menschliche Tugend, aber besitzt ein Broder diese Qualität?

Besucht man seinen heutigen Internetauftritt, so sieht man auf dem „Foto des Tages“, einen dunkel gekleideten, Sonnenbrillen tragenden Henryk M. Broder, „Dirty Henryk“, der in seiner rechten Hand einen gewaltigen Colt trägt.

Versucht Broder hier dem Namensgeber seines Preises nahe zu kommen?

Vordergründig vielleicht, aber betrachtet man das Bild genauer, so liest man auf dem dem überlangen Revolverlauf den Schriftzug „Raging Hornet“, die wilde Hornisse, eine Beschreibung, die schon besser zu Broder passt. Der Volksmund verweist, wenn auch etwas unberechtigt wie die Wissenschaft uns beweist, auf die fatalen Folgen des Stiches einer wilden Hornisse („7 Stiche ein Pferd, 3 Stiche ein Mensch“) und wild und tief zu stechen, dies ist die eigentliche Bestimmung eines Henryk M. Broder.

Insofern ist die Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Preises verwegen, denn die verbale Geschliffenheit eines Ludwig Börne ist mit dem schmähkritischen Stil eines Henryk M. Broder schwer in Einklang zu bringen. Doch der heutige Zeitgeist wird von Undifferenzierung, Unwissen und Gewissenlosigkeit geprägt, Elemente, die auch das aktuelle Brodersche Schaffen prägen.

Dafür hätte Broder einen Zeitgeist-Preis verdient, denn um diese Qualitäten im Umgang mit Menschen und Problemen unserer Zeit hat er sich tatsächlich verdient gemacht.

Dies kann oder will ein auf die Verheißungen einer „political correctness“- freien Welt fokussierter Chefredakteur so nicht sehen wollen, öffnet ein Broder mit seinem Wirken doch die Tore, die man selbst gerne niederreißen und durchschreiten will.

Ludwig Börne wird folgender Satz zugeschrieben:

„Will man einen Menschen kennen lernen, dann sehe man nur, wie er sich benimmt, wenn er Geschenke annimmt oder gibt.“

Am 24. Juni dieses Jahres wird der Preis an H.M.Broder verliehen, man sollte an diesem Tag das Verhalten von Henryk M.Broder bei der Preisvergabe vielleicht einmal von dieser Warte in Augenschein nehmen.

Vielleicht erkennt mancher dann sein wahres „Ich“. Dem gemeinschaftlichen Zusammenleben Menschen unterschiedlichster Herkunft in diesem Land täte es besonders gut, wenn die Broders dieser Welt nicht zu Ikonen des freien Wortes stilisiert werden! /p>

(s. a. :http://www.zeit.de/news/artikel/2007/01/31/90390.xml)

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